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Olbia - Brot für AthenStädte und Regionen der Ukraine
Als es den Griechen zu eng wurde in den heimatlichen Städten mit ihren steinigen Äckern, da schickten sie einen Teil ihrer
jungen Leute in die Ferne, neue Wohnplätze zu suchen. So hart waren sie oft dabei, dass
sie den Ausgesandten die Rückkehr mit Waffengewalt verwehrten. Im 7. Jahrhundert v. Chr.
landeten dann die ersten Schiffe mit Kolonisten hauptsächlich aus dem kleinasiatischen
Milet auch in der Mündung des Südlichen (Pivdennyj) Bug.
Am Anfang Olbias stehen nicht strahlendweiße Marmorsulen und goldglänzende
Bronzestatuen. Die ersten Siedler mussten mit Erdhütten vorlieb nehmen. Dies jedenfalls
sind die Ergebnisse der Ausgrabungen, wie sie nun seit dem vorletzten Jahrhundert neben
dem heutigen Dorf Parutino stattfinden. Viel ist auf den ersten Blick nicht mehr zu sehen
von der alten Griechenstadt. Die Steine ihrer wehrhaften Mauern und eindrucksvollen
Toranlagen, der gutausgestatteten Wohnhäuser und des repräsentativen Marktes, der Agora,
wurden später zum Steinbruch für türkische Festungsbauten und die umliegenden Dörfer.
Doch der mehr als zwei Jahrhunderte andauernden unermüdlichen Arbeit von Ärchologen
und Historikern verdanken wir ein ziemlich genaues Bild vom Leben in der alten Stadt und
ihrer Geschichte.
Heute finden sich auf der hoch
über dem Fluss liegenden oberen Terrasse gewaltige Berge von Scherben. Zumeist sind es
zerbrochene Amphoren. In ihnen befanden sich Wein und Olivenöl, Produkte, auf welche die
Griechen auch im Hohen Norden nicht verzichten wollten. Im Austausch dafür lieferten sie
wohl Getreide, selbst angebaut oder von den Skythen eingehandelt, die es wiederum den von
ihnen unterworfenen Stämmen der Waldsteppenzone als Tribut abgepresst hatten. Bug und
Dnepr bildeten dabei ideale Transportwege, und so konnte eine Großstadt wie Athen mit
pontischem Getreide versorgt werden.
Die Beziehungen zu den Skythen und
anderen umwohnenden Völkern bestimmten von Anfang an die Geschichte der Polis. Ohne deren
Zustimmung wäre an eine Stadtgründung nicht zu denken gewesen, und oft genug stand Olbia
unter der Schutzherrschaft skythischer Fürsten. Diesen war die Griechenstadt wichtig,
hatten sie doch längst Geschmack gefunden an griechischen Dingen und Sitten. Die aus
Kurganen geborgenen Goldschätze in der St. Petersburger Eremitage zeugen vom Entstehen
einer ganz eigenen graecoskythischen Kunst, bei der sich Motive aus dem Leben der
Steppenreiter mit griechischem Handwerksgeschick verbinden.
Trotz dieser gegenseitigen
Abhängigkeiten wurde Olbia oft Ziel von Überfällen seiner barbarischen
Nachbarn. Die Zerstörung durch die Geten unter Burebista 55 v.d.Z führte sogar
zeitweilig zur völligen Aufgabe der Stadt. Aber man konnte und wollte in den Steppen
nicht auf die emsigen Hellenen verzichten. Im 1. Jahrhundert der Zeitrechnung entstand
Olbia neu und stand jetzt unter römischem Schutz. Ein Kastell und eine Garnison sorgten
für die Präsenz des Imperiums am Bug. So erlebte die Polis ihre letzte, wenn auch nur
noch bescheidene Blüte.
Am Beginn des 4. Jahrhunderts war dann endgültig Schluss. Es
blieben die Nachrichten antiker Autoren und ein Ruinenfeld in der Steppe, das erst 15
Jahrhunderte später durch den Spaten der Archologen zu neuem Leben erweckt wurde.
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