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Brody
Städte und Regionen der Ukraine
Das kleine Städtchen im Herzen Galiziens verdankt
seine Bekanntheit beim deutschen Publikum vor allem ihrem prominentesten Sohn,
dem Schriftsteller Joseph Roth, der hier geboren wurde und das hiesige Gymnasium
besuchte. Seine Romane, aus denen dem Leser ein Hauch der untergehenden Monarchie entgegenweht, haben dem Städtchen und der galizischen Provinz ein Denkmal gesetzt.
Brody ist schon über 800 Jahre alt und war einst eine Handelsmetropole an der polnischen Grenze. Es erlangte schon relativ früh das Magdeburger Stadtrecht, was den Handel und das innerstädtische Handwerk förderte.
Bedeutsam für die kulturelle Entwicklung der Stadt war die jüdische Bevölkerung, die zeitweise zwei Drittel der Gesamtbevölkerung umfasste. Von hier aus verkündete Baal Schem Toba seine Ideen und Vorstellungen eines nicht-asketischen Chassidismus.
Brody erlebte seine Blütezeit in der unter der Herrschaft der österreichischen Monarchie nach 1772. Sie erhielt das Recht der "Freien Handelsstadt", was Brody einen entscheidenden wirtschaftlichen Impuls verleiht. Nunmehr wurde sie zur zweitgrößten Stadt Galiziens, galt als Transitstation zwischen der Monarchie und dem russischen Reich. Banken, ausländische Firmen und bedeutende Handelhäuser siedelten sich an. Der wachsende Wohlstand spiegelt sich auch in der wachsenden Zahl öffentlicher Einrichtungen wider, Schulen, Gymnasien und Krankenhäuser werden gebaut, wichtige staatliche Verwaltungsorgane nehmen ihren Sitz in Brody.
Mit dem Zerfall der k.u.k.- Monarchie beginnt auch der Niedergang Brodys. Eine weitere Zäsur ereilt die Stadt in Form des zweiten Weltkrieges. Die Nazis ermorden nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung, vernichten oder stehlen jüdisches Kulturgut und benutzen die Grabsteine des jüdischen Friedhofs als Straßenpflaster. Nach dem Krieg bekommt Brody wie viele andere Städte ein sowjetisches Antlitz, das vom Verfall der historischen wertvollen Kulturdenkmäler gezeichnet ist.
Heute hat der Zahn der Zeit an viele Gebäuden und Orten tiefe Spuren hinterlassen und einiges weggewischt. Von den früheren zwei Synagogen stehen noch die Aussenmauern einer der beiden, der jüdische Friedhof vor den Toren der Stadt ist verwildert, das Schloß gänzlich verschwunden und die Festungsmauern an vielen Orten geschliffen. Dennoch kann man beim Gang durch Brody den Glanz und die Geschäftigkeit der einstigen jüdischen Handelsmetropole spüren.
Mit der ukrainischen Unabhängigkeit wurde begonnen, diese Substanz vor der endgültigen Zerstörung zu bewahren. Dafür wird aber noch sehr viel Geld benötigt.
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