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Czernowitz - Stadt der versunkenen Kulturschätze

Städte und Regionen

"Glauben Sie nicht, dass Czernowitz eine Stadt ist. Es ist eine Welt. Es könnte genauso gut ein Vorort von Wien wie auch von New York sein." (Nora Gray, Schriftstellerin)

Im Jahre 1408, dem Fürstentum Moldau zugehörig, erstmals urkundlich erwähnt, war Czernowitz, die Stadt am Pruth, die auf einem wichtigen Handelsweg zum Schwarzen Meer lag, stets Ziel der Begierde vieler Mächte. Im 16. Jahrhundert wurde die Region von den Türken besetzt, bevor der Friede von Küçük Kaynarca im Jahre 1774 das Ende des Türkisch-Russischen Krieges besiegelte und die Bukowina 1775 an die Habsburger fallen lie, unter deren Herrschaft die Stadt Czernowitz; seit 1848 Hauptstadt des Kronlandes Bukowina, bis zum Ende des 1. Weltkrieges im Jahre 1918 zur kulturellen Blüte finden sollte.

In dieser Zeit entstand ein reiches kulturelles Schaffen sowie die eindrucksvolle Architektur, die der Stadt auch heute noch ihren besonderen Charme verleiht und den Beinamen "Klein-Wien" einbrachte. Wegweisend für den kulturellen Aufstieg Czernowitz war die multiethnische Zusammensetzung der Bevölkerung. Hier lebten Ukrainer, Juden, Rumänen, Armenier und Deutsche friedlich nebeneinander und prägten zusammen das Gemeinwesen und das kulturelle Leben der Stadt. So bot Chernowitz ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine weit ausgebaute Zeitungslandschaft. Von 1848 bis 1940 wurden über 370 verschiedene Zeitungen verlegt, darunter 200 deutsche, 68 ukrainische, 50 rumänische, 28 polnische und 24 jüdische - ein beachtliches Angebot im Verhältnis zu anderen europäischen Städten dieser Zeit.

Auch der technische Fortschritt machte damals vor Czernowitz nicht halt. Eine elektrische Straßenbahn wurde 1897 sogar ein halbes Jahr früher als in Wien eingeführt. Leider musste dieses Projekt schon bald wegen technischer Komplikationen durch das auf- und absteigende Terrain in Czernowitz wieder aufgegeben werden.

Nach 1918 gehörte die Stadt unter dem Namen Cernauti zu Rumänien, von 1944 bis 1991 als Cernovcy zur Sowjetunion und seit der Unabhängigkeit, Cernivci genannt, zur Ukraine.

DVD- Tipp und Buchtipp

  

Eine bedeutende Rolle im kulturellen Leben und der Geschichte von Czernowitz spielte die jüdische Bevölkerung. Ihr Anteil betrug im Jahre 1910 ca. 30 %. Stummes Zeugnis der wechselvollen jüdischen Geschichte in Czernowitz legt der auf einer Anhöhe gelegene jüdische Friedhof ab, auf dem viele berühmte Czernowitzer ihre letzte Ruhestätte fanden, wie unter anderem die Protagonisten aus Volker Koepps eindrucksvollem Dokumentarfilm "Herr Zwilling und Frau Zuckermann". Als eine der letzten noch aus der Bukowina stammenden Juden, die Krieg und Vernichtung überlebten, geben sie in diesem Film Auskunft über Leben und Kultur der Stadt Czernowitz im 20. Jahrhundert.

Die wohl aus deutscher Sicht berühmtesten Vertreter der Stadt, ohne die die Deutsche Lyrik des 20. Jahrhunderts nicht zu denken ist, sind die Lyriker Paul Celan und Rose Ausländer, die Verfolgung und Vernichtung im Holocaust überlebten. Celan prägte den Ausdruck, dass hier die Gegend sei, in der Menschen und Bücher lebten. Deutlich wird dies anhand der vielen, unterschiedlichen Literaten, die aus Czernowitz und seiner Umgebung stammen. In ihrer Literatur blieb die Heimat ein wichtiger Bezugspunkt, egal wohin es sie nach den großen Kriegen verschlug oder in welcher Sprache sie schrieben - deutsch, jiddisch, ukrainisch oder rumänisch.

Im Jahr 2008 feiert die Stadt Czernowitz ihren 600. Geburtstag. Ein Grund mehr, dieses Kleinod der Bukowina zu besuchen. Lassen Sie sich in eine fast versunkene Kulturmetropole entführen, die aufgrund ihrer kaum vergleichbaren multiethnischen Geschichte und Kultur unvergessliche Eindrücke zu bieten hat.

Tri Tovstuny (Die drei Dickwänste), vul. Golowna  Dieses Restaurant ist immer voll, denn es ist sehr günstig. Hier verbindet sich leckere ukrainische Küche mit dem Restaurantprinzip Fast Food. Eine breite Auswahl an leckeren ukrainischen Vor-, Haupt- und Nachspeisen stehen im Angebot. Untere Preisklasse.

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